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Schwarzwaldhochstraße: Nationalpark, Mummelsee und Glasbläser

Nationalpark Schwarzwald
Nationalpark Schwarzwald

Die Markgräflerin und ich waren am Samstag als Kampfrichter bei den Badischen Meisterschaften im Rettungsschwimmen in Bühl im Einsatz. Wie im vergangenen Jahr haben wir nur an einem Tag eine Schicht übernommen und sind am zweiten Tag auf Entdeckungstour durch unser schönes Badner-Land gegangen. Daher haben wir uns auch gegen Iso-Matte und Schlafsack in einem Klassenzimmer entschieden und ein bequemes Bett in der Jugendherberge in Forbach-Herrenwies gebucht.

Jugendherberge Forbach-Herrenwies
Die Jugendherberge Forbach-Herrenwies
Unterwegs zu den Gertelbach-Wasserfällen
Unterwegs zu den Gertelbach-Wasserfällen

Nach dem HLW-Wettbewerb hatten wir noch Zeit für eine kleine Wanderung zu den Gertelbach-Wasserfällen.

Gertelbach-Wasserfälle
Gertelbach-Wasserfälle
Gertelbach-Wasserfälle
Gertelbach-Wasserfälle
Gertelbach-Wasserfälle
Gertelbach-Wasserfälle

Am Sonntag machten wir uns dann auf der Schwarzwaldhochstraße auf den Heimweg. Ein kurzer Stopp am Mummelsee musste sein.

Mummelsee
Die Markgräflerin (aka Schwarzwaldmarie) mit Werbekuh
Mummelsee
Mummelsee
Mummelsee
Mummelsee

Hier noch das passende Gedicht von Eduard Möricke:

Die Geister am Mummelsee

Vom Berge was kommt dort um Mitternacht spät,
Mit Fackeln so prächtig herunter?
Ob das wohl zum Tanze, zum Feste noch geht?
Mir klingen die Lieder so munter.
O nein!

So sage, was mag es wohl seyn?

Das, was du da siehest, ist Todtengeleit,
Und was du da hörest, sind Klagen,
Dem König, dem Zauberer, gilt es zu Leid,
Und Geister nur sinds, die ihn tragen.

Ach wohl!
Sie singen so traurig und hohl!

Sie schweben hernieder ins Mummelseethal,
Sie haben den See schon betreten,
Sie rühren und netzen den Fuß nicht einmal,

Sie schwirren in leisen Gebeten:
O schau,
Am Sarge die glänzende Frau!

Jetzt öffnet der See das grünspiegelnde Thor;
Gib Achtung, nun tauchen sie nieder!

Es schwebt eine lebende Treppe hervor,
Und – drunten schon summen die Lieder.
Hörst du?
Sie singen ihn drunten zur Ruh!

Die Wasser, wie lieblich sie brennen und glühn!

Sie spielen in grünlichem Feuer; –
Es geisten die Nebel am Ufer dahin,
Zum Meere verzieht sich der Weiher.
Nur still!
Ob dort sich nichts rühren will?

Es zuckt in der Mitten – o Himmel! ach hilf!
Ich glaube, sie nahen, sie kommen!
Es orgelt im Rohr und es klirret im Schilf;

Nur hurtig die Flucht nur genommen!
Davon!

Sie wittern, sie haschen mich schon!

Mummelsee
Mummelsee

Anschließend ging es von der Schwarzwaldhochstraße das Kinzigtal hinunter nach Wolfach zur Dorotheenhütte.

Glasbläser bei der Arbeit
Glasbläser bei der Arbeit
Glasbläser bei der Arbeit
Glasbläser bei der Arbeit
Im Glasschmelzofen
Im Glasschmelzofen

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Und Infos zum Abschneiden unserer Schwimmerinnen und Schwimmer bei den Badischen Meisterschaften im Rettungsschwimmen gibt’s hier.

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Fotografie

Zeitreise ins Mittelalter

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Die gefundenen Kellermauern und Fundamente reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück.

Einzig der Verlauf von Schlüsselstraße und Breisacher Straße weisen in der Zähringerstadt Neuenburg noch auf den mittelalterlichen Stadtgrundriss hin. Mittelalterliche Fassaden findet man vergebens, dafür haben über Jahrhunderte nicht nur Hochwasserkatastrophen sondern auch immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen gesorgt. Das die Stadt immer wieder auf dem Schutt neu aufgebaut wurde, hat aus denkmalschützerischer Sicht auch den Vorteil, dass die Fundamente der mittelalterlichen Stadt erhalten blieben. Diese schlummern nur circa zwei Meter tief in der Erde verborgen.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Meter für Meter sondieren die Grabungshelfer das Gelände.

Die geplante Neugestaltung des Areals zwischen Schlüssel- und Metzgerstraße bietet nun die Gelegenheit für eine Zeitreise ins Mittelalter. Seit Mitte Mai finden hier archäologische Ausgrabungen statt. Diese Woche präsentierten Dr. Bertram Jenisch vom Landesdenkmalamt, Grabungsleiter Stefan Kaltwasser und Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster auf der Grabungsstelle die ersten Funde und Erlebnisse.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Bertram Jenisch (l.) und Grabungsleiter Stefan Kaltwasser in einem mittelalterlichen Keller, der vermutlich bis ins 17. Jahrhundert genutzt wurde. Rote und schwarze Verfärbungen an den Wänden deuten auf einen Brand hin.

„Das mittelalterliche Neuenburg ist fast zu 100 Prozent erhalten, aber alles zwei Meter unter der Erde“, sagt Dr. Bertram Jenisch. Die mittelalterliche Stadt ist von den Fundamentstrukturen fast vollständig erhalten. Die auf dem Areal zwischen Schlüssel- und Metzgerstraße gefundenen Mauerreste reichten vom Zeithorizont bis in die Zeit der Stadtentstehung um das Jahr 1200. Es handele sich dabei um die älsteste bislang in Neuenburg bekannte Steinbebauung.
„Wenn die Leute die finanziellen Möglichkeiten hatten, haben sie aus Brandschutzgründen aus Stein gebaut“, erklärte Jenisch. Gefunden wurden auch Baustrukturen, die auf Fachwerkhäuser aus dem zwölften Jahrhundert hindeuten. Jenisch geht davon aus, dass in der ersten Phase der Stadtgründung zunächst Fachwerkhäuser an der Straße gebaut wurden.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Grabungsleiter Stefan Kaltwasser zeigt Keramikfunde mit deren Hilfe sich die Baustruktur auf die Zeit um das Jahr 1200 datieren lassen.

Woher wissen die Archäologen wie alt die Mauern sind? „Wir können die Baustrukturen über Keramikfunde zeitlich fassen“, erklärt Jenisch und Grabungsleiter Stefan Kaltwasser zeigt Reste von Gebrauchskeramik die in der Baugrube gefunden wurde. Die schwarze Färbung und die Runde Form deuteten auf das Hochmittelalter um das Jahr 1200 hin, erklärte Kaltwasser. Zuvor hätten die Tongefäße eher eine rötliche Terrakotta-Farbe. Im 13. Jahrhundert wären die Gefäße entsprechend der damaligen Mode eher eckig als rund.
Gefunden wurde in einem Anbau auch ein mittelalterlicher Backofen. Dieser wird von den Archäologen allerdings auf Mitte des 14. Jahrhunderts datiert. Die Datierung ermöglichte der Fund von Scherben eines Weinglases aus dem 14. Jahrhundert, eines so genannten Schaffhauser Bechers, der – so vermutet Jenisch – offensichtlich aus Schwarzwälder Produktion stammt. Ähnliche Becher habe man beispielsweise bei einer Glasmacherei bei Schopfheim-Gersbach gefunden.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Dr. Bertram Jenisch zeigt die Scherben eines so genannten Schaffhauser Bechers, die beim mittelalterlichen Backofen gefunden wurden. Damit kann der Anbau mit dem Backofen auf das 14. Jahrhundert datiert werden.

Der Backofen habe womöglich zu einer Bäckerei oder auch zu einem Gasthaus gehört. „Der Backofen ist für ein normales Wohnhaus zu groß“, sagte Jenisch.
Direkt nebenan hat sich möglicherweise ein metallverarbeitender Betrieb, vielleicht eine Schmiede befunden. Darauf deutete der gefundene Teil eines Mörsers hin, in dem vermutlich Metallerze gepocht wurden.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Hat sichtlich Freude an den Funden bei den Ausgrabungen in Neuenburg. Bertram Jenisch vom Landesdenkmalamt zeigt den Teil eines Mörsers, indem vermutlich Metallerze vor dem schmelzen gepocht wurden.

Jenisch geht davon aus, dass sich hier an der Schlüsselstraße Handwerker angesiedelt hätten. Diese sei so etwas wie „Geschäftslage 1a im Mittelalter“ gewesen. „Neuenburg war das Markt- und Produktionszentrum für das Umland“.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Grabungsleiter Stefan Kaltwasser zeigt Keramikfunde mit deren Hilfe sich die Baustruktur auf die Zeit um das Jahr 1200 datieren lassen.

Literaturtipp: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg Bd. 27: Neuenburg am Rhein