Fotografie, Geschichte, Kultur, Veranstaltungen, Video

Das Glöckchen läutet wieder

Neuenburger Rathausglocke bekommte neues Zuhause auf dem Franizskanerplatz
Bei der Einweihung der Skulptur mit Glocke auf dem Franziskanerplatz

View this post on Instagram

Das GLÖCKCHEN läutet wieder

A post shared by Markgraefler (@neues_aus_dem_markgraeflerland) on

Neuenburger Rathausglocke bekommte neues Zuhause auf dem Franizskanerplatz

Bürgermeister-Stellvertreter Christoph Ziel und Architekt Mario Eggen enthüllen die die Skulptur mit Glocke.

Neuenburger Rathausglocke bekommte neues Zuhause auf dem Franizskanerplatz
Betreten beziehungsweise hindurchgehen ist ausdrücklich erwünscht …

Geschichte

Am südlichen Ortseingang von Neuenburg liegt die Heilig-Kreuz-Kapelle. Ihren Namen hat sie von einem steinernen Kreuz dessen Herkunft unbekannt ist. Der Legende nach soll es im 13. Jahrhundert vom Rhein angeschwemmt worden sein.

Für diese Kapelle gaben die Neuenburger im Jahr 1663 eine Glocke beim Basler Glockengießer Hans Ulrich Roth in Auftrag. Mit zwei zusammengebundenen Weidlingen wurde die Glocke damals von Basel nach Neuenburg transportiert.

Im Zuge des spanischen Erbfolgekriegs vertrieben französische Truppen unter Marschall Tallard am 1. Mai 1704 die Einwohner   Neuenburgs, um die Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Dies sollte verhindern, dass sich die vorderösterreichischen Truppen mit einem Brückenkopf am Rhein festsetzen. Während des Exodus der Neuenburger läutete die Glocke der Kapelle. Anschließend versteckten die Bürger das Glöcklein, bis sie 1714, nach dem Frieden von Rastatt, zurückkehren und die Stadt wieder aufbauen konnten.

Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges wurden in Deutschland rund 65000 Glocken eingeschmolzen. Das Glocke der Heilig-Kreuz-Kapelle entging diesem Schicksal, sie war bei der Bestandsaufnahme vergessen worden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Heilig-Kreuz-Kapelle zerstört und die Glocke beschädigt. Im Jahr 1958 übergab die katholische Pfarrgemeinde die Glocke an die Stadt Neuenburg. In einem Dachreiter auf dem Dach des Rathauses versah sie von nun an ihren Dienst und läutete täglich um 16 Uhr, um an die Vertreibung der Neuenburger im Jahr 1704 zu erinnern. Im Volksmund wurde sie daher schnell das „Feierabend-Glöckchen“ für die Rathaus-Mitarbeiter.

Im Jahr 2016 musste das Glöcklein wegen morschen Dachbalken seinen Platz auf dem Ratshausdach räumen. Jetzt hat es einen neuen Platz in einer eigens dafür gestalteten Skultpur des Müllheimer Architekten Mario Eggen vor dem Museum für Stadtgeschichte, Franziskanerplatz 4, gefunden und wieder täglich um 16.01 Uhr – nach den Glocken der katholischen Kirche – für jeweils zwei Minuten läuten.

 

 

 

 

 

 

Werbeanzeigen
Fotografie

Zeitreise ins Mittelalter

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Die gefundenen Kellermauern und Fundamente reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück.

Einzig der Verlauf von Schlüsselstraße und Breisacher Straße weisen in der Zähringerstadt Neuenburg noch auf den mittelalterlichen Stadtgrundriss hin. Mittelalterliche Fassaden findet man vergebens, dafür haben über Jahrhunderte nicht nur Hochwasserkatastrophen sondern auch immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen gesorgt. Das die Stadt immer wieder auf dem Schutt neu aufgebaut wurde, hat aus denkmalschützerischer Sicht auch den Vorteil, dass die Fundamente der mittelalterlichen Stadt erhalten blieben. Diese schlummern nur circa zwei Meter tief in der Erde verborgen.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Meter für Meter sondieren die Grabungshelfer das Gelände.

Die geplante Neugestaltung des Areals zwischen Schlüssel- und Metzgerstraße bietet nun die Gelegenheit für eine Zeitreise ins Mittelalter. Seit Mitte Mai finden hier archäologische Ausgrabungen statt. Diese Woche präsentierten Dr. Bertram Jenisch vom Landesdenkmalamt, Grabungsleiter Stefan Kaltwasser und Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster auf der Grabungsstelle die ersten Funde und Erlebnisse.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Bertram Jenisch (l.) und Grabungsleiter Stefan Kaltwasser in einem mittelalterlichen Keller, der vermutlich bis ins 17. Jahrhundert genutzt wurde. Rote und schwarze Verfärbungen an den Wänden deuten auf einen Brand hin.

„Das mittelalterliche Neuenburg ist fast zu 100 Prozent erhalten, aber alles zwei Meter unter der Erde“, sagt Dr. Bertram Jenisch. Die mittelalterliche Stadt ist von den Fundamentstrukturen fast vollständig erhalten. Die auf dem Areal zwischen Schlüssel- und Metzgerstraße gefundenen Mauerreste reichten vom Zeithorizont bis in die Zeit der Stadtentstehung um das Jahr 1200. Es handele sich dabei um die älsteste bislang in Neuenburg bekannte Steinbebauung.
„Wenn die Leute die finanziellen Möglichkeiten hatten, haben sie aus Brandschutzgründen aus Stein gebaut“, erklärte Jenisch. Gefunden wurden auch Baustrukturen, die auf Fachwerkhäuser aus dem zwölften Jahrhundert hindeuten. Jenisch geht davon aus, dass in der ersten Phase der Stadtgründung zunächst Fachwerkhäuser an der Straße gebaut wurden.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Grabungsleiter Stefan Kaltwasser zeigt Keramikfunde mit deren Hilfe sich die Baustruktur auf die Zeit um das Jahr 1200 datieren lassen.

Woher wissen die Archäologen wie alt die Mauern sind? „Wir können die Baustrukturen über Keramikfunde zeitlich fassen“, erklärt Jenisch und Grabungsleiter Stefan Kaltwasser zeigt Reste von Gebrauchskeramik die in der Baugrube gefunden wurde. Die schwarze Färbung und die Runde Form deuteten auf das Hochmittelalter um das Jahr 1200 hin, erklärte Kaltwasser. Zuvor hätten die Tongefäße eher eine rötliche Terrakotta-Farbe. Im 13. Jahrhundert wären die Gefäße entsprechend der damaligen Mode eher eckig als rund.
Gefunden wurde in einem Anbau auch ein mittelalterlicher Backofen. Dieser wird von den Archäologen allerdings auf Mitte des 14. Jahrhunderts datiert. Die Datierung ermöglichte der Fund von Scherben eines Weinglases aus dem 14. Jahrhundert, eines so genannten Schaffhauser Bechers, der – so vermutet Jenisch – offensichtlich aus Schwarzwälder Produktion stammt. Ähnliche Becher habe man beispielsweise bei einer Glasmacherei bei Schopfheim-Gersbach gefunden.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Dr. Bertram Jenisch zeigt die Scherben eines so genannten Schaffhauser Bechers, die beim mittelalterlichen Backofen gefunden wurden. Damit kann der Anbau mit dem Backofen auf das 14. Jahrhundert datiert werden.

Der Backofen habe womöglich zu einer Bäckerei oder auch zu einem Gasthaus gehört. „Der Backofen ist für ein normales Wohnhaus zu groß“, sagte Jenisch.
Direkt nebenan hat sich möglicherweise ein metallverarbeitender Betrieb, vielleicht eine Schmiede befunden. Darauf deutete der gefundene Teil eines Mörsers hin, in dem vermutlich Metallerze gepocht wurden.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Hat sichtlich Freude an den Funden bei den Ausgrabungen in Neuenburg. Bertram Jenisch vom Landesdenkmalamt zeigt den Teil eines Mörsers, indem vermutlich Metallerze vor dem schmelzen gepocht wurden.

Jenisch geht davon aus, dass sich hier an der Schlüsselstraße Handwerker angesiedelt hätten. Diese sei so etwas wie „Geschäftslage 1a im Mittelalter“ gewesen. „Neuenburg war das Markt- und Produktionszentrum für das Umland“.

Archäologische Ausgrabung Neuenburg
Grabungsleiter Stefan Kaltwasser zeigt Keramikfunde mit deren Hilfe sich die Baustruktur auf die Zeit um das Jahr 1200 datieren lassen.

Literaturtipp: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg Bd. 27: Neuenburg am Rhein

Fotografie, Nachrichten

Abwasser wurde einfach auf die Straße gekippt

Von Mittelaltertag Neuenburg

Mittelaltertag in Neuenburg

Mit den Schlägen der Glocke auf dem Dach des Neuenburger Rathauses wurde gestern punkt 11 Uhr die „Neuenburger Zeitreise ins Mittelalter“ eingeläutet.

Seit September vergangenen Jahres beschäftigen sich alle Kindergärten und Schulen der Zähringerstadt mit der mittelalterlichen Stadt Neuenburg. Die Ergebnisse wurden gestern beim Mittelalteraktionstag vorgestellt, natürliche kam auch der spielerische Aspekt nicht zu kurz, so konnten sich die jüngsten Kindergartenkinder beim Bogen- und Armbrustschießen ebenso beweisen wie beim Ritterturnier mit Stecken und Lanze.
Buntes Markttreiben gab es in der Salzstraße mit vielen Mitmachangeboten, wie Pergamentherstellung, Kalligraphie, Buchbinden oder Webstuhl. Neben verschiedenen handwerklichen Vorführungen wurde auf dem Rathausplatz die funktionsweise von Gegengewichtshebelgeschütz und Torsionsgeschütz erklärt.
„Ich bin beeindruckt“, lobte Bürgermeister Joachim Schuster bei der Eröffnung auf dem Rathausplatz alle Beteiligten, allen voran die vielen Kinder. „Hier hat es vor einigen hundert Jahren ganz anders ausgesehen“, erklärte Schuster den Kindern. Statt Asphalt habe es einen Lehmboden gegeben, die Häuser standen dicht beieinander, das Wasser musste aus dem Brunnen geholt werden und das Abwasser wurde einfach auf die Straße gekippt, gab der Rathauschef den Kindern einen Einblick, wie es im Mittelalter in der Zähringerstadt ausgesehen haben mag. Schuster wies auch daraufhin, dass direkt hinter der östlichen Häuserzeile des Rathausplatzes einmal die Stadtmauer verlief und bei der Apotheke schräg gegenüber des Rathausplatzes einmal ein Stadttor, das so genannte Mühltor oder Müllheimer Tor stand.
Der Rathauschef hob unter allen Beteiligten den Historiker, Museums- und Erlebnispädagogen Gregor Schopka hervor, der eine zentrale Rolle bei dem Projekt gespielt habe.
Sehenswert ist Stadtrundgang durch das mittelalterliche Stadtrundgang, der von den Schülerinnen und Schülern der Grundschulförderklasse, des Schulzentrums und des Kreisgymnasiums gestaltet wurde und der den historischen Stadtrundgang ergänzt. Die von den Kindern gestalteten Bilder und Informationstafeln wird als Ausstellungsprojekt während der Sommermonate das Stadtbild mit bunten Tupfern bereichern.
Ein im Bürgerbüro des Rathauses erhältlicher Flyer weist auf den mittelalterlichen Stadtrundgang hin. Für die musikalische Umrahmung mit mittelalterlichen Flöten- und Trommelklängen sorgte die Jugendmusikschule Markgräflerland.